Das etwas andere Angeln...

In diesem Bericht möchte ich euch das Wettkampfangeln etwas näher bringen.

Dieser Carp-Event wurde in Ungarn an einem See mit einer Größe von ca. 120 ha ausgetragen und ist mittlerweile das alljährliche Highlight in der Karpfenszene!  Insgesamt 48 hochkarätige Teams aus 6 Nationen nahmen daran teil.


So funktioniert´s…

Ziel dieses Wettkampfes war es, in 120 Stunden „Nonstop Angeln“, das größte Gewicht an gefangenen Karpfen aller Teilnehmer zu erreichen. Ein Team bestand aus zwei oder drei Anglern. Gewertet wurden Schuppen und Spiegelkarpfen ab einem Gewicht von 5 kg. Boote, Futterboote oder ähnliche Hilfsmittel waren nicht erlaubt.  Das Futter musste also mit Futterraketen oder Boilie-Wurfrohren ausgebracht werden. Die gefangenen Fische wurden von uns ordentlich versorgt, von einem Schiedsrichterteam verwogen und wieder zurückgesetzt.


Vorbereitung:

Karl, Stefan und ich waren bereits Wochen zuvor mit den Vorbereitungen auf diesen Wettbewerb beschäftigt. Hier waren wir, wie immer, akribisch genau und wollten nichts dem Zufall überlassen. Ruten wurden kontrolliert, die Rollen mit neuen Schnüren bespult, alle Knoten auf Festigkeit überprüft usw.  

Zum Futtertesten nahmen Karl und ich noch ein paar Tage, an einem für uns neuem Gewässer in Kroatien, auf uns. Der Kracher passierte gleich 2 Stunden nach dem Auslegen unserer 4 Ruten. Ein Spiegler mit einem Gewicht von satten 23,8 kg lag auf der Matte. Dies bedeutete auch ein neues PB. für Karl!!!



Dieser wunderschöne Karpfen konnte einer 20iger Red Planet nicht widerstehen. Insgesamt konnten wir in 3 Tagen rund 250 kg Karpfen zum Landgang überreden, mit einem Durchschnittsgewicht von ca. 13kg. 

Als Favorit unter den Kugeln kristallisierte sich die Red Planet heraus, welche auch dann beim Wettkampf mit im Gepäck war. 


Endlich war es soweit…

Wir machten uns am Sonntag Morgen voll motiviert auf den Weg nach Ungarn. Nach dem Eintreffen aller Teilnehmer fand die Auslosung der Plätze statt. 

Wir hatten das Los mit der Platznummer 7 gezogen und waren schon sehr gespannt, was dieser Platz die nächsten 5 Tage wohl bringen würde. Dieser Teil des Sees wurde von uns vorher noch nie befischt und wir hatten daher auch keine Vorkenntnisse bzw. Informationen. 

Eines war uns klar, wir mussten genauso wie alle anderen Teams, das Beste daraus machen. Los ging es mit dem Aufbau der Zelte und mit den Vorbereitungen auf den Startschuss am nächsten Morgen.


Montag Morgen 8:00 Uhr Start: 

Die Anspannung war sichtlich allen ins Gesicht geschrieben. Wir hatten in unserem erlaubten Korridor einen kegelartigen Bereich zu befischen. Dieser wurde mit der Markerrute auf mögliche Untiefen bzw. harten Stellen, des doch eher weichen und schlammigen Bodens, abgesucht. 

Nach ca. 2 Stunden hatten wir uns für einen Spot in 115 Meter Entfernung entschieden. 

Das bereits vorbereitete Futter wurde mit 2 Spotruten ausgebracht. Eine doch sehr anstrengende Arbeit bei 30 Grad Außentemperatur.  

Nun war für den Anfang ein Großteil erledigt und wir gönnten uns daraufhin eine wohlverdiente Pause.

Solche Pausen wurden zugleich genützt um weitere Vorgehensweisen, Taktiken und Futterstrategien zu besprechen. 


Erster Kontakt:

Am Abend war es dann soweit - Fullrun…

Wir konnten auf unsere Red Planet einen Schuppi mit stolzen 20,8 kg auf die Matte legen. Es war ein tolles Gefühl zu wissen, dass wir bis dahin vieles richtig gemacht hatten. Noch schöner war es auf der Zwischenergebnisliste zu lesen, dass das „Carp Team Allround“, so unser Teamname, aktuell auf Platz 3 zu finden war.


Die erste Nacht verlief leider zu ruhig, keine Aktionen mehr! 

Dienstag:

Am Morgen um ca. 7:00 Uhr der nächste Run. Ein Schuppi mit gerade mal 5,90 kg. Also gerade noch in der Wertung- Glück gehabt. Wir hatten daraufhin entschieden sofort wieder nachzufüttern.

In der Folge kamen die Bisse regelmäßiger und wir hatten bis zum Abend 5 Fische mit einem Gesamtgewicht von 67,40 kg - bedeutete Zwischenrang 5. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 35 Teams angeschrieben. 

Die Nacht zum Mittwoch brachte lediglich 2 Karpfen mit jeweils knapp über 5 kg. 


Mittwoch: 

Das Durchschnittsgewicht von unseren gefangenen Fischen sank zunehmend und die Anzahl der Brachsenbisse wurden mehr!  Was nun?  

Zeit, um an der Futterstrategie was zu ändern. Die Temperatur ging stetig nach oben und der Wind war ebenfalls nicht auf unserer Seite. 

Das Resümee zur Halbzeit des Wettkampfes war nicht schlecht, was die Stückzahl betraf, aber zu wenig um vorne im Klassement dabei zu sein - Zwischenrang 9 mit 123,50 kg. 

Ernüchternd verlief die Nacht mit zwei mäßigen Karpfen.


Donnerstag Morgen: 

Zeit um was zu ändern…

Wir konnten in den letzten Stunden mehrmals große Karpfen beobachten, die in unserem Korridor links von unserem Spot aus dem Wasser platschten. Sie waren immer an derselben Stelle zu sehen. 

Natürlich ein klares Zeichen für uns, 2 der 4 Ruten dorthin zu verlegen. Um den lästigen Beifängen von Brachsen und Karauschen entgegenzuwirken, die wir zuletzt nicht selten gehabt hatten, befütterten wir den neuen Spot nur mit 20iger Kugeln Red Planet. 

Siehe da, es dauerte keine halbe Stunde, ein Dauerton der linken Rute. – Perfekt, ein Lächeln machte sich breit.

2. Biss, gleich nachdem die Rute neu ausgelegt wurde. Sofort nachfüttern, hieß die Devise. Kurz darauf ein Doppelrun. Jetzt wurde es richtig interessant und alles lief wie erhofft. 

Glücklicherweise hatten wir jetzt auch größere Karpfen im Kescher, demnach 4 Stück zwischen 10 kg und 15 kg.


Der Plan schien aufzugehen und am Abend standen 214,30 kg auf der Liste mit 25 Stück gewerteten Karpfen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir unter den Top 3, was die Stückzahl betraf.

Die vorletzte Nacht war angebrochen und brachte immerhin 3 Fische.

Nun war es passiert….


Freitag:

Um alle 4 Ruten auf diesen Spot platzieren zu können, wollte ich nochmals mit der Markerrute genauer ausloten. Plötzlich ein Widerstand – ich hing fest. Durch das kräftige Ziehen mit der geflochtenen Schnur dürfte sich ein dicker Ast im Wasser aufgestellt haben, welcher sich scheinbar nicht mehr zum Boden absenken konnte. Der Schnurriss war nicht mehr zu vermeiden. Ein äußerst schlechter Umstand, wie sich später herausgestellt hatte. 

Von diesem Zeitpunkt an, hatten wir keine Chance mehr, große gehakte Fische auszudrillen und an Land zu bewegen. Daher mussten wir rasch reagieren und dem Hindernis so gut wie möglich aus dem Wege zu gehen, um keine Fische mehr zu verlieren. Im Vordergrund sollte trotzdem das Wohl der Fische stehen. 

Wir rückten daher ein paar Meter seitlich ab und verbrachten von nun an die Zeit quasi direkt neben den Ruten! 

Es funktionierte sehr gut, aber die Bisse wurden natürlich entsprechend weniger. 

Na ja, musste eben so kommen, dachten wir uns. 

Das vorletzte Zwischenergebnis brachte uns dann wieder den 9. Zwischenrang mit einem Gewicht von 311,20 kg. 

Der Rückstand auf Gesamtrang 5 waren bloß 40 kg und auf den Führenden in unserem Sektor gar nur 20 kg. Hierbei möchte ich noch anmerken, dass auch der Sieg im Sektor entsprechend honoriert wurde. 

Insgesamt war der See in drei Sektoren A/B/C aufgeteilt, damit auch bei lang anhaltendem Wind in einer und derselben Richtung, die Chance zumindest auf den Sektorsieg gegeben ist. 


Unser Ziel hatte sich von nun an, leider nur auf ein Top Ergebnis im Sektor abgespeckt, da die Gesamtführenden doch schon 508,40 kg auf der Waage hatten. 


Letzte Nacht:

Vollgas hieß unsere Vorgabe. Abwechselnd saßen wir vor unserem Rod Pod, um ja keinen Biss zu versäumen. Ein tolles Zusammenspiel von uns Dreien.  





Samstag 8:00 Uhr – Ende !!! 


Wir hatten nach einer wiederum eher mäßigen Nacht ab den Morgenstunden nochmals richtig Gas gegeben. 10 Karpfen mit rund 67 kg war der Erfolg! 

Pünktlich um 8:00 Uhr ertönte das Schlusssignal. Alle Ruten aus dem Wasser hieß es nun und der Bewerb war somit beendet. Die Anspannung auf die bevorstehende Siegerehrung war riesig. 

Ist sich der Sieg im Sektor ausgegangen??? 

Nun war es an der Zeit, das Tackle zu verstauen, eine entsprechende Körperpflege durchzuführen und natürlich die einen oder anderen analysierenden Worte auszutauschen. Was hätten wir besser machen können, was wäre wenn…


Siegerehrung

Gegen 13:00 Uhr stand dann endlich die Siegerehrung am Programm und das Warten hatte ein Ende!

Für uns reichte es am Schluss für den 11. Gesamtrang und den 2. Rang im Sektor A. Das slowakische Team hatte am Ende um 40 kg mehr und sicherten sich damit den Sieg im Sektor. Die Enttäuschung war anfangs sehr groß, konnten uns aber dann doch mit den positiven Erlebnissen und Erfahrungen trösten.




Ein paar Details zum Event vom Organisator: 

Insgesamt wurden, auf alle Teams gerechnet, ein Gesamtgewicht von 10.733,50 kg gefangen. Ein neuer Rekord auf diesem Gewässer. 

Das bedeutet eine Stückzahl von 1016 Karpfen.

Das Durchschnittsgewicht lag bei 10,56 kg.


Alles in allem brachte dieser Event wieder eine tolle, lehrreiche Erfahrung mit sich, natürlich viel Spaß und viele nette Gespräche mit anderen Teamkollegen. 

Das ist ja trotz allem das Wichtigste beim Angeln und so sollte es auch bleiben! 

Zuletzt möchte ich mich noch bei Christian Voit vom Team Future Baits für seine Unterstützung bedanken!

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick in diese Szene vermitteln konnte und wünsche allen Lesern  noch ein erfolgreiches Jahr 2017! 


Petri Heil! 

Chris



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